BIP-85 Child Keys sind zusätzliche Sätze aus 12 oder 24 BIP-39-Wiederherstellungswörtern, die du aus der Wallet auf deiner BitBox ableitest. Die dabei verwendete Wallet dient als übergeordnete Wallet; mit jedem daraus abgeleiteten Child Key kannst du eine separate Wallet einrichten oder wiederherstellen.

BIP-85 kann die Wiederherstellung mehrerer Wallets vereinfachen, weil sich alle Child Keys erneut aus derselben übergeordneten Wallet ableiten lassen. Sie sind jedoch nicht unabhängig von ihr: Wer über alle Wiederherstellungsdaten der übergeordneten Wallet verfügt, kann auch ihre Child Keys erneut erzeugen. Die Funktion eignet sich deshalb, wenn du eine gemeinsame Ausgangsbasis für die Wiederherstellung möchtest und diese Abhängigkeit bewusst akzeptierst – nicht aber, wenn die Wallets vollständig voneinander getrennt bleiben müssen.

BIP-85 schafft keine zusätzliche Sicherheitsebene

Bei BIP-85 hängt die Wiederherstellung aller Child Wallets von der übergeordneten Wallet ab. Wird deren Backup kompromittiert, sind deshalb auch alle daraus abgeleiteten Child Wallets betroffen. Wenn du zusätzliche Sicherheit statt einer einfacheren Wiederherstellung suchst, sind eine optionale Passphrase oder eine sorgfältig geplante Multisig-Wallet möglicherweise besser geeignet, weil sie ein anderes Problem lösen als BIP-85.

 

So funktionieren BIP-85 Child Keys

Moderne Wallets können aus denselben Wiederherstellungswörtern viele Konten und Adressen erzeugen, indem sie standardisierte Ableitungspfade verwenden. BIP-85 nutzt dasselbe Prinzip für einen anderen Zweck: Statt weiterer Adressen werden neue, vollständige BIP-39-Wiederherstellungswörter abgeleitet. Der Standard legt genau fest, wie diese Ableitung erfolgt, sodass dieselbe Ausgangs-Wallet mit denselben Parametern immer wieder denselben Child Key erzeugt.

Welcher Child Key entsteht, wird durch die Wortanzahl und den Index bestimmt. Bleiben die übergeordnete Wallet, die Wortanzahl und der Index unverändert, erhältst du immer wieder dieselben Wiederherstellungswörter; änderst du einen dieser Werte, entsteht ein anderer Child Key. Die erzeugten Wörter lassen sich wie jeder andere kompatible Satz aus BIP-39-Wiederherstellungswörtern verwenden, geben aber weder die übergeordnete Wallet noch andere Child Keys preis.

Wenn du das Prinzip hinter den Ableitungspfaden genauer nachvollziehen und weitere praktische Beispiele sehen möchtest, findest du im BitBox-Blog eine ausführliche Erklärung: Ein Backup, unendliche Möglichkeiten: BIP-85 Child Keys erklärt. Der vollständige Standard beschreibt darüber hinaus noch weitere Arten deterministischer Daten; technische Einzelheiten findest du in der offiziellen BIP-85-Spezifikation (nur auf Englisch).


Welche Informationen Zugriff und Wiederherstellung bestimmen

Über die übergeordnete Wallet lassen sich alle davon abgeleiteten Child Keys erneut erzeugen. Ein einzelner Child Key ermöglicht dagegen nur den Zugriff auf seine eigene Wallet; die übergeordnete Wallet und andere Child Keys lassen sich daraus nicht ableiten. Die folgende Tabelle zeigt, was mit den jeweiligen Wiederherstellungsdaten möglich ist.

Wiederherstellungsdaten Was damit möglich ist
Wiederherstellungswörter der übergeordneten Wallet und, falls verwendet, die exakte optionale Passphrase Damit kann jemand auf die übergeordnete Wallet zugreifen und ihre BIP-85 Child Keys erneut ableiten.
Ein vollständiger Satz Wiederherstellungswörter einer Child Wallet Damit kann jemand auf diese Child Wallet zugreifen. Die übergeordnete Wallet und andere Child Keys lassen sich daraus jedoch nicht ableiten.
Wortanzahl und Index Diese Parameter ermöglichen allein keinen Zugriff auf eine Wallet, werden aber benötigt, um zuverlässig denselben Child Key erneut zu erzeugen.

Wie sich eine optionale Passphrase auf Child Keys auswirkt

Eine optionale Passphrase verändert die übergeordnete Wallet und damit auch alle Child Keys, die du daraus ableitest. Erzeugst du einen Child Key innerhalb einer Passphrase-Wallet, brauchst du später die ursprünglichen Wiederherstellungswörter deiner BitBox, die exakte Passphrase, dieselbe Wortanzahl und denselben Index, um genau diesen Child Key erneut zu erhalten. Ohne die Passphrase oder mit einer anderen Passphrase öffnest du eine andere Wallet und erhältst auch andere Child Keys. Welche Folgen das für die Wiederherstellung hat, erfährst du im Artikel Wie funktioniert eine Passphrase?.

Schütze jeden Child Key

Auch wenn sich ein Child Key aus der übergeordneten Wallet erneut erzeugen lässt, bleibt er ein vollständiges Wallet-Backup. Da jeder, der diese Wiederherstellungswörter kennt, auf die zugehörige Child Wallet zugreifen kann, solltest du jeden Child Key genauso sorgfältig schützen wie die Wiederherstellungswörter deiner ursprünglichen Wallet.

Bewahre Child Keys offline auf

Gib die Wiederherstellungswörter eines Child Keys niemals auf einem Computer oder Smartphone, auf einer Website, in einer Browser-Erweiterung, einem Passwortmanager, einem Cloud-Dienst oder einem KI-Chatbot ein – außer du stellst die Child Wallet bewusst mit einer vertrauenswürdigen, kompatiblen Wallet-App wieder her. Wer diese Wiederherstellungswörter kennt, kann über das gesamte Guthaben der Child Wallet verfügen.

 

Wann BIP-85 sinnvoll sein kann

BIP-85 eignet sich vor allem dann, wenn du bewusst mehrere Wallets nutzen möchtest, ohne für jede davon ein vollständig separates Backup verwalten zu müssen. Typische Anwendungsfälle sind:

  • eine mobile Wallet mit begrenztem Guthaben für alltägliche Zahlungen;
  • eine separate Wallet zum Testen kompatibler Wallet-Software; oder
  • eine Wallet für ein Familienmitglied oder eine andere vertraute Person, wenn die Wiederherstellung über die übergeordnete Wallet ausdrücklich erwünscht ist und alle Beteiligten diese Abhängigkeit verstehen.

Richtest du eine Child Wallet für eine andere Person ein, behältst du über die übergeordnete Wallet weiterhin die Möglichkeit, den Child Key dieser Wallet erneut zu erzeugen. Diese Abhängigkeit sollte von Anfang an klar sein. Soll ausschließlich die andere Person über das Guthaben verfügen, muss sie eine eigene, unabhängig erzeugte Wallet verwenden und das Guthaben dorthin übertragen.

Die Herkunft eines Child Keys verbessert nicht die Sicherheit der Umgebung, in der du ihn verwendest. Importierst du seine Wiederherstellungswörter in eine Wallet-App auf einem Smartphone, wird diese Wallet zu einer Hot Wallet und ihre Sicherheit hängt vom Smartphone und der verwendeten App ab. Bewahre dort deshalb nur so viel Guthaben auf, wie für den jeweiligen Zweck sinnvoll ist.


Wann BIP-85 nicht das richtige Werkzeug ist

BIP-85 ist nicht dafür gedacht, Child Wallets vor einem kompromittierten Backup der übergeordneten Wallet zu schützen. Welche Lösung besser passt, hängt davon ab, wovor du dich schützen möchtest: Eine Passphrase erzeugt eine separate Wallet, deren Zugriff von einem zusätzlichen Geheimnis abhängt, während Multisig die Kontrolle auf mehrere Schlüssel verteilt.

Auch für Wallets, die organisatorisch oder zwischen verschiedenen Personen vollständig unabhängig bleiben müssen, ist ein gemeinsames BIP-85-Backup ungeeignet. In diesem Fall solltest du separate Wallets mit jeweils eigenem Wiederherstellungsplan erstellen.

Wenn du nur eine Wallet benötigst oder die zusätzlichen Parameter dein Sicherheitskonzept unnötig kompliziert machen würden, brauchst du BIP-85 nicht. Ein einfacher Aufbau lässt sich meist leichter verstehen und auch nach vielen Jahren zuverlässiger wiederherstellen.


Kompatibilität mit anderen Wallets

Liegen dir die Wiederherstellungswörter eines Child Keys bereits vor, kann jede BIP-39-kompatible Wallet-App die dazugehörige Wallet wiederherstellen; eine eigene BIP-85-Unterstützung braucht sie dafür nicht. Anders ist es, wenn du den Child Key erneut aus der übergeordneten Wallet ableiten möchtest: In diesem Fall muss das verwendete Gerät oder die Wallet-App BIP-85 unterstützen und dieselben Parameter verwenden.

Mit der BitBox kannst du nicht direkt zwischen der übergeordneten Wallet und einer Child Wallet wechseln. Stattdessen erzeugst du die Wiederherstellungswörter des Child Keys und importierst sie anschließend in eine separate, kompatible Wallet. Wie das im Einzelnen funktioniert, erklärt die Anleitung zum Erzeugen eines BIP-85 Child Keys mit der BitBox.


Bevor du BIP-85 verwendest

Bevor du einen Child Key erzeugst, solltest du festlegen, wofür du ihn verwenden und wie du die zugehörige Wallet später wiederherstellen möchtest. Halte dazu Folgendes fest:

  • den konkreten Verwendungszweck der Child Wallet und wie viel Guthaben du darin aufbewahren möchtest;
  • Wortanzahl, Index und Zweck mit einer Beschreibung, die du auch später eindeutig verstehst;
  • ob die übergeordnete Wallet von einer optionalen Passphrase abhängt, ohne die Passphrase gemeinsam mit deren Wiederherstellungswörtern aufzubewahren; und
  • wie du sowohl die Wiederherstellungswörter der übergeordneten Wallet als auch die der Child Wallet offline schützt.

Wortanzahl und Index sind keine zusätzlichen Sicherheitsgeheimnisse und ersetzen auch keine Wiederherstellungswörter. Wenn du sie zusammen mit dem Verwendungszweck dokumentierst, findest du bei einer späteren Wiederherstellung zuverlässig den richtigen Child Key, ohne verschiedene Möglichkeiten ausprobieren zu müssen.